Mehrheit der Saarländer:innen sorgt sich um künftige Pflege – Jetzt kommunal handeln statt weiter abwarten

Die aktuellen Zahlen zur Pflegesituation im Saarland sind alarmierend. Wie die Saarbrücker Zeitung unter Berufung auf eine repräsentative Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der DAK-Gesundheit (Stand: November 2025)[1] berichtet, bewerten 59 Prozent der Saarländerinnen und Saarländer die Lage als schlecht oder sehr schlecht. Nahezu 90 Prozent fürchten, sich einen Pflegeplatz künftig nicht mehr leisten zu können. Die Ergebnisse zeigen eine erhebliche Verunsicherung und verdeutlichen, wie stark das Vertrauen in die Bezahlbarkeit der Pflege auch im Saarland schwindet.

Als Graue Grüne Saar nehmen wir diese Sorgen ernst.

Im Saarland gehören die Eigenanteile in stationären Einrichtungen zu den höchsten bundesweit. Pflegebedürftige zahlen monatlich Beträge, die häufig deutlich über 2.500 Euro liegen, trotz Pflegeversicherung. Diese Kosten setzen sich aus mehreren Bestandteilen zusammen: Pflegekosten, Unterkunft und Verpflegung, Investitionskosten und Ausbildungskosten.

Dazu Hubert Jung, der Vorsitzende der Grauen Grünen Saar: „Gerade Investitions- und Ausbildungskosten gehören nicht in die private Rechnung, sie sind öffentliche Aufgabe und müssen daher vollständig steuerfinanziert werden. Wir finanzieren auch keine Schulgebäude über die Elternbeiträge der Kinder. Es ist nicht akzeptabel, dass Menschen im letzten Lebensabschnitt staatliche Infrastruktur über ihre Eigenanteile finanzieren.“

Im ambulanten Bereich zeigt sich die soziale Schieflage besonders drastisch. Für die gleiche Stunde Betreuung werden ganz unterschiedliche Beträge gezahlt. Beim professionellen Pflegedienst kostet sie oft 50 Euro oder mehr. In der organisierten Nachbarschaftshilfe liegt die Aufwandsentschädigung bei etwa 12 Euro. Und wenn Angehörige pflegen, ist diese Stunde in der Regel komplett unbezahlt.

 „Es geht immer um dieselbe Tätigkeit, nämlich Begleitung, Hilfe beim Anziehen und Unterstützung im Alltag. Und doch kostet sie entweder 50 Euro, 12 Euro oder gar nichts. Dieses System basiert darauf, dass familiäre Pflege unbezahlt geleistet wird. Das ist weder gerecht noch langfristig tragfähig“, erklärt die Vorsitzende der Grauen Grünen Saar, Barbara Klein-Braun.

Wir erleben im Saarland eine alternde Gesellschaft. Gleichzeitig fehlen Fachkräfte, und die Kosten steigen weiter. Wer jetzt nicht strukturell umsteuert, wird in wenigen Jahren mit noch massiveren sozialen Verwerfungen konfrontiert sein.

„Wir müssen Pflege im Saarland grundlegend neu ordnen. So wie es jetzt läuft, überfordert es Familien finanziell und emotional.“

Wir brauchen kommunale Pflege- und Sorgezentren in den Städten und Gemeinden. Dort müssen Beratung, Entlastung für Angehörige, Nachbarschaftshilfe und professionelle Dienste besser koordiniert werden. „Die Menschen brauchen eine Anlaufstelle, nicht einen Dschungel aus Zuständigkeiten“, fügt Barbara Klein-Braun hinzu.

Pflege ist Teil unserer öffentlichen Daseinsvorsorge. Sie ist genauso wichtig wie Bildung oder Gesundheitsversorgung. Wer ein Leben lang gearbeitet hat, muss sich darauf verlassen können, im Alter würdevoll versorgt zu werden, unabhängig vom Kontostand.


[1] DAK-Report: Pflegesystem Steht Am Kipppunkt, https://www.dak.de/presse/bundesthemen/politik-unternehmensnachrichten/dak-report-pflegesystem-steht-am-kipppunkt_151880